Geschichte des AvD (1899 - heute)

Geschichte des AvD (1899 - heute)

Vom Deutschen Automobilclub (DAC) gegründet 1899,
über den Kaiserlichen Automobil-Club (KAC) 1905-1918,
bis zum heutigen Automobilclub von Deutschland (AvD)

Da der Deutsch-Chinesische Automobilclub im AvD eine Wiederbelebung des ehemaligen Ortsclubs Automobil-Club Tsingtau (1912-1914) ist, des ältesten Automobilclubs Chinas, möchten wir Ihnen die Gelegenheit geben, die große Geschichte des renommiertesten deutschen Automobilclubs kennenzulernen.

Teile des Textes basieren auf Texten des Kaiserlichen Automobil-Clubs, einige Teile sind Wikipedia entnommen.

Viel Spaß bei der Lektüre!

Der heutige Automobilclub von Deutschland (AvD) ist der älteste deutschlandweite Automobilclub - und einer der ältesten Autoclubs weltweit.

1899 - 1904

Im Jahre 1899 wurde in Berlin der Deutsche Automobilclub (DAC) gegründet. Die Anregung dazu kam von Ihrer Kaiserlichen Hoheit, Großherzogin Anastasia von Mecklenburg-Schwerin. Der DAC bildete den Dachverband diverser Orts- und Korporativclubs in ganz Deutschland, und war somit der erste deutschlandweite Automobilclub.

Wer in den DAC eintrat, hatte – neben dem gesellschaftlichen Ansehen – eine Fülle von Vorteilen, in deren Genuss er kam. Die Mitgliedschaft in dieser geschlossenen, exklusiven Gesellschaft wurde gerne mittels DAC-Plakette, gut sichtbar am Kühlergrill des Fahrzeuges angebracht, demonstriert. Zu den Mitgliedern zählten viele Adlige, Militärs gehobener Positionen, Gutsbesitzer, Direktoren, Bankiers, Kommerzienräte, Politiker und Diplomaten. In einer gewissen Position war es unerlässlich, im DAC Mitglied zu sein, denn dieser war die einzige Institution in Berlin, bei der es möglich war, mit den Spitzen des Wirtschaftsbürgertums Konversation zu führen.

Bereits ein Jahr nach seiner Gründung organisierte ein Ortsclub des DAC vom 14.-29.7.1900 die erste Internationale Automobilausstellung in Frankfurt/Main. Obwohl es damals nur ca. 70 Automobile in Frankfurt gab, soll die Ausstellung 100.000 Besucher angezogen haben. Auch heute noch ist die IAA Frankfurt eine der größten und wichtigsten Automobilausstellungen weltweit.
Im Jahre 1904 veranstaltete der AvD das erste internationale Autorennen in Deutschland, das Rennen zum Coupe Gordon Bennett bei Homburg vor der Höhe. Diese Konkurrenz, von dem Herausgeber des „New York Herald“ im Jahre 1899 als Wanderpokal gestiftet, genoss internationale Bedeutung und hatte eine beispiellos starke Rückwirkung auf die internationale Automobilindustrie. Deutschland verteidigte seine Ehre würdevoll vor des Kaisers Augen, den Sieg trug jedoch Frankreich davon.
Kaiser Wilhelm war aber derart angetan von den Leistungen des Clubs, dass er noch im selben Jahr die Ehrenmitgliedschaft annahm.
Auf Initiative des DAC trafen sich im Anschluss an das Rennen am 20. Juni 1904 die Vertreter der anwesenden internationalen Automobilclubs in Bad Homburg, um sich über die Gründung eines Automobil-Weltverbandes zu beraten. Aus diesen Beratungsgesprächen resultierte die in Paris gegründete "Association Internationale des Automobile-Clubs Réconnus" (AIACR), der internationale Zusammenschluss aller anerkannten nationalen Automobilclubs. Gründungsmitglied dieses Weltverbandes, der heutigen FIA, ist der DAC.

1905 - 1911

Am heiligen Abend 1905 begann für den DAC eine neue, wegweisende Ära: Kaiser Wilhelm II. übernahm „mittelst allerhöchster Kabinettsorder“ das Protektorat über den Club. Seitdem genießt der Club das einzigartige Privileg, sich Kaiserlicher Automobil-Club, KAC, nennen zu dürfen. Mit dem Kaiser und seinem Bruder, Prinz Heinrich von Preußen, hatte der KAC zwei überaus einflussreiche und wichtige Förderer hinter sich stehen. Besonders wegweisend waren die Bande mit dem seit jeher sehr motorsportaffinen Prinz Heinrich. Dieser übernahm zahlreiche Protektorate, wie die der Internationalen Automobil-Ausstellung 1906, und war auch Namensgeber für eigene Rennen, wie der Prinz-Heinrich-Fahrten.

Der KAC engagierte sich auch stark in Fragen der Verkehrsinfrastruktur und der Verkehrsregelung sowie -sicherheit. So beteiligte sich der Club ab 1906 aktiv an der Entwicklung der ersten Verkehrsregeln. Daneben nahm er sich in der Vereinsarbeit auch sozialer und touristischer Fragestellungen an. Fragen der Straßenverkehrs-verbesserung, der Technik, der Sicherheit, der Abwehr übermäßiger Belastung des Autofahrers und der Motor-Touristik fielen in seinen Aufgabenbereich. Eine Pensionskasse für Chauffeure wurde gegründet, die später unter dem Namen "Kaiser-Wilhelm-Stiftung" auf sozialem Gebiet für Fahrer, die beispielsweise durch Unfall in Not geraten waren, sehr viel getan hat.

Allgemein war das damalige Gründungsziel des Clubs, die Position Deutschlands unter anderem im Automobilsport zu stärken, nahezu erreicht. Der KAC veranstaltete regelmäßig Rennen, an denen Prinz Heinrich persönlich teilnahm. Dazu zählten unter anderem das Kaiserpreis-Rennen 1907, die Herkomer-Konkurrenzen 1905-1907 und natürlich die Prinz-Heinrich-Fahrten 1908-1910. Diese Rennen, deren Veranstaltungsorte über ganz Deutschland verteilt waren, wurden vom Publikum begeistert aufgenommen und förderten die technische und wirtschaftliche Entwicklung des Automobils enorm.

1912 - 1935

1912 wurde in in der deutschen Kolonie Tsingtau (China) der KAC-Ortsclub Automobil-Club Tsingtau gegründet. Dieser hatte 30 Mitglieder. Durch die Kapitulation der deutschen Kolonie Tsingtau am 7. November 1914 endete die Existenz des Automobil-Club Tsingtau nach nur zwei Jahren, denn die deutschen Verteidiger wurden als Kriegsgefangene nach Japan gebracht. Lesen Sie mehr unter: "Automobil-Club Tsingtau (1912-1914)"!

Auch in Deutschland fand die Entwicklung des Automobils durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges eine jähe Unterbrechung. Der KAC agierte zwar weiterhin in seinen Funktionen, war aber durch die Kriegsereignisse erheblich eingeschränkt. Nach dem 1. Weltkrieg, und dem damit verbundenen Ende der Monarchie,  änderte der KAC durch Beschluss einer außerordentlichen Generalversammlung am 7.12.1918 seinen Namen in Automobilclub von Deutschland, AvD.

Neben dem Motorsport, für den sich der AvD weiterhin engagierte, war und ist die Verkehrssicherheit ein weiteres wichtiges Thema: 1924 gehörte der AvD deshalb zu den Gründern der Deutschen Verkehrswacht. 1926 veranstaltete der Club auf der AVUS in Berlin, an deren Finanzierung er beteiligt war, den ersten „Großen Preis von Deutschland“.

1935 gab der AvD seinen satzungsgemäßen Zweck auf und änderte seinen Namen in Deutscher Ausland-Club, um der Gleichschaltung im Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK) zu entgehen.

1948 - 1972

Am 6. November 1948 wurde der AvD in Königstein im Taunus wiedergegründet. Im Jahr darauf beschloss die Versammlung der FIA einstimmig die Wiederaufnahme des AvD. Die AvD-Mitglieder Huschke von Hanstein, Manfred von Brauchitsch, Paul von Metternich und Juan Manuel Fangio errangen wieder Erfolge im Motorsport.

1953 nahm der Club mit sechs DKW-Kastenwagen seinen Pannenhilfsdienst auf. 1967 brachte AvD-Sportpräsident Huschke von Hanstein die Formel V nach Deutschland. Im selben Jahr (1967) förderte der AvD mit öffentlichen Unfall-Demonstrationen die Einführung des Sicherheitsgurtes. 1968 startete das AvD-Auto-EKG – die erste technische Prüfung, die mobil durchgeführt werden konnte.

Neben dem Engagement für die Verkehrssicherheit und der Pannenhilfe kümmerte sich der AvD in den folgenden Jahren immer mehr auch um ältere Fahrzeuge. Gemeinsam mit dem Club Historischer Renn- und Sportfahrzeuge Nürburgring e. V. (CHRSN) und dem Hesse Motorsport Club e. V. Wiesbaden veranstaltete der AvD deshalb 1972 das erste Internationale Historische Rennen auf dem Nürburgring – aus dieser Veranstaltung ging später der AvD-Oldtimer-Grand-Prix hervor.

1973 bis Heute

In den vergangenen Jahren hat sich der AvD zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen entwickelt und seine Leistungen deutlich ausgebaut. Mit der am 6. Oktober 2008 verkündeten Kooperation mit der Allianz in den Bereichen Versicherung und Service wurde das Angebot des Clubs erneut verbessert.

2012 wurden durch die Gründung des Kaiserlichen Automobil-Club vergangene Traditionen wiederbelebt. Der neue, alte KAC ist ein lebensstil-orientierter Club "Im kleinen Kreis" für Freunde von Klassikern und dem "Savoir vivre" zur Erhaltung der Freude an den ingenieurstechnischen Spitzenleistungen seiner Zeit - von Kennern für Kenner - auf Basis authentischer Geschichte und Traditionen.

2013/2014, also 100 Jahre nach der Auflösung des damaligen chinesischen Ortsclubs „Automobil-Club Tsingtau“ im Jahre 1914, wurde der Deutsch-Chinesische Automobilclub im AvD gegründet, aber auch weitere Clubs (Deutsch-Amerikanisch, Deutsch-Russisch, etc.).

So wird der älteste und renommierteste deutsche Automobilclub nicht nur in Deutschland seiner gesellschaftlichen Verantwortung gerecht, sondern zunehmend auch in anderen Ländern. Denn die Welt wächst immer mehr zusammen, und da macht es Sinn, auch die großen Probleme zukünftiger individueller Mobilität gemeinsam anzugehen.