Der Automobil-Club Tsingtau (1912 - 1914)

Der Automobil-Club Tsingtau (1912-1914)

Sollten Sie, verehrter Leser, über Quellen verfügen, die die Geschichte des damaligen Automobil-Club Tsingtau weiter mit Leben erfüllen würden, wären wir Ihnen zu großem Dank verpflichtet!

Wenn Sie Interesse an den damaligen geschichtlichen Hintergründen haben, empfehlen wir Ihnen die folgende Lektüre:

1912 - 1914

1912 wurde in in der deutschen Kolonie Tsingtau (China) der Automobil-Club Tsingtau gegründet, ein Ortsclub des damaligen Kaiserlichen Automobil-Clubs (heute: AvD). Dieser hatte 30 Mitglieder. Durch die Kapitulation der deutschen Kolonie Tsingtau am 7. November 1914 endete die Existenz des Automobil-Club Tsingtau nach nur zwei Jahren, denn die deutschen Verteidiger wurden als Kriegsgefangene nach Japan gebracht. Durch die Kapitulation und die dann folgende Besatzung durch das japanische Militär sind leider alle Unterlagen des Clubs verlorengegangen.

Deutsches Pachtgebiet Kiautschou

Kiautschou (chinesisch:  膠州 / 胶州, Pinyin:  Jiāozhōu) war ein 1898 vom Kaiserreich China an das Deutsche Kaiserreich verpachtetes Gebiet im Süden der Shandong-Halbinsel an der chinesischen Ostküste. Hauptstadt war Tsingtau (heute Qingdao geschrieben – zu Deutsch „grüne Insel“), die Stadt Kiautschou nordwestlich der Bucht war nicht Teil der Kolonie.

Grund für den Erwerb der Kolonie durch die Erzwingung eines Pachtvertrages mit China war der Wunsch nach einem Flottenstützpunkt für die Kaiserliche Marine in Ostasien. Mit der Erkundung war Georg Franzius beauftragt. Im Ersten Weltkrieg kam Kiautschou nach der Kapitulation der deutschen Garnison im November 1914 unter die Verwaltung des Japanischen Kaiserreichs.

Beginn des Ersten Weltkriegs (Das Ende der deutschen Kolonie)

Kiautschou war zu Beginn des Ersten Weltkriegs durch das III. Seebataillon besetzt (1400 Mann), das bei Kriegsbeginn durch 3.400 Mann verstärkt wurde. Am 10. August 1914 stellte Japan ein Ultimatum, in dem die vollständige Übergabe des Gebietes verlangt wurde. Am 15. August wiederholten sie ihre Forderung. Der Gouverneur, Kapitän zur See Alfred Meyer-Waldeck, ließ das Ultimatum unbeantwortet und war fest entschlossen, das Pachtgebiet „bis zum Äußersten zu verteidigen“.

Am 27. August 1914 eröffneten japanische und britische Kriegsschiffe eine Blockade, und bereits am 2. September landeten die ersten Alliierten (4300 Mann) in China. Am 26. September begannen Sturmangriffe auf die deutschen Stellungen, die jedoch erfolgreich zurückgeschlagen werden konnten. Nach den erfolglosen Angriffen zogen die Alliierten einen Belagerungsring um die Festung, so dass das Pachtgebiet bis zum 28. September komplett eingeschlossen war.

Ab Oktober wurden die alliierten Truppen ständig verstärkt bis auf schließlich über 60.000 Mann. Am 31. Oktober, nach einem neuntägigen Artillerie-Dauerbeschuss, begannen die Alliierten einen großangelegten Angriff auf die Festung, der wiederum abgewehrt werden konnte. Die zunächst erfolgreiche Verteidigung basierte zum Teil auf der erfolgreichen Luftaufklärung durch den Marineflieger Gunther Plüschow, der als „Der Flieger von Tsingtau“ bekannt wurde.

Anfang November ging den eingeschlossenen deutschen Verteidigern die Munition aus, worauf man sich entschloss, sämtliche Artillerie und Kampfboote zu vernichten. Am 7. November 1914 erfolgte schließlich die Kapitulation und die Besetzung durch Japan.

Die deutschen Verteidiger wurden nach Japan in Kriegsgefangenschaft verbracht. Sie lebten dort in mehreren Lagern und wurden teilweise erst 1920 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen.

Exkurs

Heute ist Tsingtau aber weniger dafür bekannt, daß die Stadt von 1898 bis 1914 als Kolonie zum Deutschen Reich gehörte, auch nicht dafür, daß 5.000 Deutsche drei Monate lang bis zu 60.000 Belagerern Widerstand leisteten, sondern weltweit bekannt ist die Küstenmetropole für ihr Bier namens Tsingtao, das seinen Ursprung in der deutschen Kolonialzeit hat.

Denn die heutige Tsingtao Brewery wurde im Jahre 1903 von deutschen Siedlern als Germania-Brauerei in Kiautschou gegründet, und das nach deutschem Reinheitsgebot gebraute Bier gewann in der Folge viele Preise. Auch heute noch ist Tsingtao eines der bekanntesten Biere Chinas.

Aus jener Kolonialzeit sind viele Bauten erhalten, so zum Beispiel, außer der Brauerei (ein Besuch lohnt sich), der Bahnhof, die protestantische Kirche, sowie die Residenz des Gouverneurs.

Qingdao ist heute eine typische chinesische Stadt, groß und modern, aber selbst einige neue Hochhäuser haben architektonische Elemente, die an die deutsche Vergangenheit erinnern. Qingdao hat mehrere Universitäten, ist eines der wichigsten Seebäder Chinas, und wurde weltweit durch die Segelwettbewerbe der Olympischen Sommerspiele von Peking bekannt. Ein Besuch lohnt sich!

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Prinz-Heinrich-Straße, Tsingtau, ca. 1914
Die alte Evangelische Kirche in Tsingtau, fotografiert im Oktober 2011